Flino
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Kleines CRM für Solo-Selbstständige: Die 5 besten Tools im Vergleich

Solo-Selbstständige brauchen kein Enterprise-CRM – aber sie brauchen einen Ort, an dem Kontakte, Angebote und Follow-ups nicht im Chaos verschwinden. Die Krux: Die meisten kleinen CRM-Tools sind verkleinerte Versionen von Sales-Team-Software – mit Pipeline-Stages, Quoten-Reports und Lead-Scoring, das niemand pflegt. Dieser Artikel zeigt fünf Tools, die wirklich für Einzelpersonen gedacht sind, ohne Funktions-Overhead.

Was ein kleines CRM können muss – und was nicht

Bevor du Tools vergleichst, lohnt sich ein klarer Blick auf den eigenen Bedarf. Solo-Selbstständige verlieren Aufträge selten, weil sie keinen Funnel-Report haben – sondern weil sie zwei Wochen nach dem Angebot vergessen haben, nachzufassen. Ein kleines CRM muss daher genau drei Dinge zuverlässig leisten:

  • Kontakte und Konversationen verbinden: Ein Klick zu allen E-Mails, Notizen und Angeboten zu einer bestimmten Person.
  • Erinnerungen für Follow-ups: Damit nichts in der Inbox versickert.
  • Sichtbarkeit über offene Themen: Welche Angebote warten auf Antwort? Welche Kunden müssen ich diese Woche ansprechen?

Was ein kleines CRM nicht braucht: Marketing-Automation, Lead-Scoring, Forecasting, Multi-Pipeline-Reports, Salesforce-IDs, Quotas, eingebettete Zoom-Meetings, Pipeline-Velocity. All das ist toll für 50-köpfige Sales-Teams – für Einzelpersonen verursacht es Pflegeaufwand ohne Gegenwert.

Wenn du beim Lesen merkst, dass dein eigentliches Problem eher „immer rechtzeitig nachfassen" als „Kontakte organisieren" ist, lohnt sich ein Blick in die CRM-Alternativen für Freelancer – manche der dort gelisteten Tools ersetzen ein klassisches CRM komplett.

1. Flino – Follow-up-fokussiertes Mini-CRM für dein Postfach

Für wen: Solo-Selbstständige, die Angebote per E-Mail verschicken und systematisch nachfassen wollen, ohne ein zweites Tool aufzumachen.

Flino ist kein klassisches CRM, sondern ein Follow-up-Assistent direkt in deinem Postfach. Der Charme: Du verschickst dein Angebot wie immer aus deinem Postfach, Flino erkennt Angebote automatisch und löst eine vordefinierte Sequenz von Erinnerungen aus. Antwortet der Kunde, stoppt die Sequenz – ohne dass du daran denken musst.

Stärken: Null Pflegeaufwand, transparente Sichtbarkeit aller offenen Angebote, kein zusätzliches Tab im Browser, DSGVO-konform.

Schwächen: Kein klassisches Kontakt-Datenmodell mit Custom-Feldern, keine Pipeline-Visualisierung. Wenn du B2B-Verkauf mit komplexen Multi-Stakeholder-Deals machst, brauchst du irgendwann mehr Struktur.

Praxisempfehlung: Wenn du heute mehr Aufträge durch fehlendes Nachfassen verlierst als durch fehlende Kontaktverwaltung, ist Flino oft das einzige Tool, das du brauchst.

2. folk – minimalistisches Beziehungs-CRM

Für wen: Berater, Coaches und Freelancer, die mit warmen Kontakten und Netzwerken arbeiten.

folk positioniert sich nicht als Sales-CRM, sondern als „Relationship-CRM". Du sammelst Kontakte aus LinkedIn, Gmail und manueller Eingabe in Gruppen, schickst gruppierte E-Mails und siehst auf einen Blick, wann du das letzte Mal mit jemandem geredet hast. Optisch ist folk eines der modernsten CRMs am Markt.

Stärken: Saubere Oberfläche, sehr gute Chrome-Extension für LinkedIn, Gmail-Sync funktioniert zuverlässig, Gruppen statt Pipelines.

Schwächen: Reporting bleibt rudimentär, klassische Sales-Stages fehlen, Preise steigen mit Kontakt-Volumen schnell. Wer rein outbound verkauft, ist mit anderen Tools besser bedient.

3. Notion (mit Datenbank-Templates)

Für wen: Selbstständige, die ohnehin in Notion arbeiten und ihr CRM dort haben wollen.

Es klingt unkonventionell, aber Notion ist für viele Solo-Selbstständige das beste „CRM", das sie nie kaufen. Eine simple Datenbank mit den Spalten Name, Status, letzter Kontakt, Notiz, nächster Schritt – mehr braucht es selten. Vorteil: Du integrierst Notizen aus Calls, Projektpläne und das CRM in einem Ort.

Stärken: Maximale Flexibilität, kein zusätzliches Abo wenn Notion ohnehin genutzt wird, Verbindung zu Projekten und Notizen, einfache Tabellen-Logik.

Schwächen: Keine E-Mail-Integration ohne Drittanbieter, keine automatischen Erinnerungen ohne Zusatztool, manuelle Pflege ist Pflicht. Wer Disziplinprobleme hat, hat sie hier doppelt.

Notion lohnt sich vor allem dann, wenn du ohnehin Projektmanagement, Notizen und Wissensbasis dort führst – ein Extra-CRM wäre einfach ein zusätzlicher Tab.

4. Streak – Pipeline direkt in Gmail

Für wen: Gmail-Nutzer, die eine klassische Sales-Pipeline wollen, ohne ein eigenständiges CRM aufzumachen.

Streak ist ein Chrome-Plugin, das Gmail um eine Pipeline-Ansicht erweitert. Jede E-Mail kann zu einer Box (Deal) zugeordnet werden, jede Box durchläuft Stages, du siehst alle Boxen als Kanban. Für Einzelnutzer ist Streak in der Free-Variante überraschend mächtig.

Stärken: Kein Tool-Wechsel, Pipeline und Inbox in einem Browser-Tab, gute Snippets-Funktion für Vorlagen, Mail-Merge für kleine Versendungen.

Schwächen: Bei vielen Stages und großen Datenmengen wird die Oberfläche zäh. Der Datenexport ist limitiert. Wenn du wechseln willst, kommst du teilweise nur über CSV-Workarounds raus.

5. Capsule CRM – das schlanke Klassik-CRM

Für wen: Selbstständige, die ein „echtes" CRM mit Kontakten, Aufgaben, Pipeline wollen, ohne den Funktionsumfang einer großen Plattform.

Capsule ist eines der ältesten CRM-Angebote für kleine Unternehmen und stark unterbewertet. Es macht alle Standardaufgaben gut – Kontaktverwaltung, Pipeline, E-Mail-BCC-Capture, Aufgaben – ohne sich aufzublähen. Die Oberfläche ist klar, die Lernkurve flach.

Stärken: Solide Funktionsabdeckung im Free-Tarif (bis 250 Kontakte), Mail-Drop-Adresse für E-Mail-Kopien, gute Mobile-App, sehr stabile Performance, faire Preise auf den höheren Tarifen.

Schwächen: Optisch wirkt es etwas konservativer als folk oder Attio, Automatisierungs-Features sind weniger ausgeprägt als bei Pipedrive oder Streak.

Welches Tool passt zu welchem Profil?

Statt einer Featuretabelle ist die Frage „welches Tool für welchen Typ" oft hilfreicher. Drei Profile, die in der Praxis fast jeden abdecken:

  • Profil „Angebote-Versender": Du verschickst regelmäßig Angebote, dein Hauptproblem ist Nachfass-Disziplin. Empfehlung: Flino. Kein klassisches CRM, kein Pflegeaufwand.
  • Profil „Beziehungs-Pfleger": Du arbeitest mit warmen Kontakten, Empfehlungen, langfristigen Beziehungen. Empfehlung: folk – die Gruppen-Logik passt besser als Stages.
  • Profil „Strukturierter Klassik-Verkäufer": Du brauchst Pipeline, Aufgaben, Kontakte mit Custom-Feldern. Empfehlung: Capsule (eigenständig) oder Streak (in Gmail).

Wer keines dieser Profile klar ist, sollte sich vor der Tool-Wahl 30 Minuten Zeit nehmen und ehrlich beantworten: Welche Aufträge habe ich in den letzten 6 Monaten verloren – und woran lag es? In 8 von 10 Fällen ist die Antwort „kein Follow-up zur richtigen Zeit", nicht „kein Pipeline-Reporting".

Migration: Was du beachten solltest, wenn du wechselst

Egal welches Tool du wählst, drei Punkte machen den Unterschied zwischen einer leeren Cloud-Software und einem produktiven CRM:

  • Importiere nur aktuelle Kontakte. Lade nicht 2.000 alte Visitenkarten-Scans hoch. Starte mit den letzten 50–100 relevanten Kontakten und wachse organisch.
  • Halte das Datenmodell minimal. Maximal 5 Custom-Felder pro Kontakt. Mehr pflegst du nicht durch.
  • Definiere genau einen Trigger zum Eintrag. Zum Beispiel: „Jeder, dem ich ein Angebot schicke, kommt rein." Klare Regeln verhindern, dass das CRM zur Datenmüllhalde wird.

CRM-Pflege: Realistisch oder nicht?

Eine ehrliche Beobachtung aus vielen Solo-Setups: 70 % aller Solo-CRMs werden nach drei Monaten nicht mehr gepflegt. Das hat selten mit dem Tool zu tun, sondern mit dem fehlenden Auslöser. Die Kontaktpflege „nebenbei" passiert nicht – sie braucht einen festen Moment in der Woche.

Mein Vorschlag aus der Praxis: 20 Minuten am Freitagvormittag. Drei Fragen durchgehen: Mit wem habe ich diese Woche gesprochen? Welche Angebote sind verschickt? Welche Follow-ups stehen nächste Woche an? Wer das nicht durchhält, sollte sich entweder einen Tool-Workflow bauen, der die Erinnerungen automatisiert (siehe Flino), oder das CRM aufgeben und Notizen direkt im E-Mail-Postfach halten.

Ein systematischer Ansatz für den ohne-CRM-Workflow steht im Artikel Gmail als Vertriebstool.

Häufige Fehler bei der CRM-Auswahl

Drei Fehler, die ich bei Solo-Selbstständigen wieder und wieder sehe:

  • Zu groß denken. Wer mit HubSpot oder Salesforce startet, weil „später wird man ja wachsen", verbringt Wochen mit Setup, das nie genutzt wird. Lieber klein anfangen und in zwei Jahren wechseln, wenn die Anforderung wirklich besteht.
  • Tools nach Featurelisten vergleichen. Eine 30-Punkte-Checkliste sagt nichts über tatsächlichen Wert. Wichtiger ist die Frage: Werde ich das Tool in drei Monaten noch öffnen?
  • CRM mit Disziplin-Problemen lösen wollen. Kein Tool fasst dir an deiner Stelle nach. Wer das Problem „ich vergesse Follow-ups" hat, braucht Automatisierung, nicht eine bessere Datenbank.

Wer den letzten Punkt erkennt, kommt schnell zur Erkenntnis: Ein klassisches CRM löst das eigentliche Problem oft gar nicht. Mehr dazu in der direkten Gegenüberstellung HubSpot-Alternativen für Kleinunternehmen.

Fazit

Das beste kleine CRM ist das, das du nach drei Monaten noch öffnest – nicht das mit dem schönsten Funktionskatalog. Für die meisten Solo-Selbstständigen reichen entweder ein Follow-up-fokussiertes Tool wie Flino, ein Beziehungs-Tool wie folk, oder die Notion-Lösung mit minimalem Setup. Pipeline-CRMs wie Streak oder Capsule lohnen sich erst, wenn du wirklich viele parallele Deals strukturieren musst.

Frage dich vor dem Vertrag: Was ist mein Engpass heute? Bist du der Klarheit über offene Themen schuldig (dann brauchst du Sichtbarkeit) – oder ist es die fehlende Konsequenz beim Nachfassen (dann brauchst du Automation, kein Sammelsystem)? Die ehrliche Antwort führt fast immer zur richtigen Wahl.